betreuung in der Zahnarztpraxis

Die Veränderung der Altersstruktur in der Bevölkerung ist eine große Herausforderung. Die Zahnärzte müssen sich darauf einrichten, in ihren Praxen immer mehr über 65-Jährige zu betreuen. Liegt ihr Anteil heute etwa bei 25 Prozent, so wird er Experten zufolge im Jahr 2020 bei über 35 Prozent und im Jahr 2040 bereits bei 50 Prozent liegen.

 

Kapitel wird erarbeitet ...

 

Themenblöcke:
Medikamente (unerwünschte Nebenwirkungen), Demenz, Recall, Stressintoleranz, Hörschwäche, Gehbehinderung, nachlassende Sehkraft (MH-Instruktion, Prothesenreinigung), abnehmende Beweglichkeit der Finger (Feinmotorik/Taktilität), Verschlechterung des Erinnerungsvermögens (schriftliche Informationen statt mündlich), barrierefreie Praxis (einfache bauliche Massnahmen), Umlagerung Rollstuhl auf Behandlungsstuhl, Fahrdienste (Barrierefreiheit), Schluckbeschwerden (Logopädie), Pace des Patienten beachten (langsam erklären und sprechen), Schleimhautveränderungen und Gesichtshaut, Patientenrecht - Einwilligung zur Behandlung: Selbstbestimmung versus mutmasslicher Wille bei eingeschränkter Urteilsfähigkeit

 

Polypharmazie
Bei der Medikation von älteren Menschen ist auf den verlangsamten Abbau in der Leber und die reduzierte Nierenclearance sowie die Interaktion mit anderen Medikamenten zu achten. Als Schmerzmittel der Wahl wird Paracetamol empfohlen. Die PRISCUS-Liste definiert potentiell inadäquate Arzneistoffe für ältere Menschen.
Mundtrockenheit ist eine der häufigsten Nebenwirkungen verschiedener Medikamente - mit weitreichenden Konsequenzen für den zahnärztlichen Behandlungsplan. Die Kariesanfälligkeit steigt markant an. In diesen Fällen muss mit dem behandelnden Arzt das Gespräch gesucht werden. Oftmals gibt es Alternativen oder verantwortliche Medikamente können sogar abgesetzt werden. Falls eine Änderung der Medikation nicht möglich ist müssen geeignete Schutzmassnahmen (Intensivfluoridierung mit Duraphat-Zahnpaste, Reduktion von Süssigkeiten) getroffen werden.

Antikoagulation
Es gibt verschiedene Klassen von Blutverdünnern: klassische orale Antikoagulantien, sogenannte Vitamin-K-Antagonisten (Marcoumar, Sintrom), neuere und direkte Antikoagulantien (Xarelto, Eliquis, Lixiana, Pradaxa) und Thrombozytenaggregationshemmer (Plavix, Effient, Aspirin, Brilique).
Bei den klassischen oralen Antikoagulantien kann mittels des INR (= International Normalized Ratio) die Blutungsneigung des Patienten bestimmt werden. Kleine oralchirurgische Eingriffe (Extraktion bis zu fünf Zähnen, einzelne Extraktion unter Aufklappung, minimale Osteotomie, Standardimplantat) bis zu einem INR von 3,5 können - ohne risikobehaftete Absetzung des Blutverdünnners - unter Anwendung eines lokalen Hämostyptikums durchgeführt werden.

Implantate
Implantate können allgemein auch bei sehr alten Patienten erfolgreich eingesetzt werden. Durch die im Durchmesser reduzierten und kürzeren Implantate ist oft auch bei schmalem Kieferkamm eine minimalinvasive, atraumatische Chirurgie ohne Knochenaufbau möglich geworden. Bei zahnlosen Patienten mit Kieferkammatrophie kann mit einer implantatgetragenen Deckprothese die Kaufähigkeit wiederhergestellt werden. Ein gesichertes Recall und eine gute Mundhygiene beugen der Mukositis vor. Die tägliche Applikation von Plak-out Gel in die Matrizen wird empfohlen.

Bisphosphonate
Bisphosphonate sind die derzeit aktivsten Hemmer des Knochenabbaus in der Behandlung der Osteoporose. Nach einem Infekt oder (chirurgischen) Trauma im Kieferknochen können sie durch die Blockade des Knochenumbaus zu massiven Osteonekrosen führen. Bisphosphonate bleiben sehr lange im Knochen wirksam. Eine genaue Medikamenten-Anamnese vor einer Extraktion oder einer Implantatinsertion ist unerlässlich.